Der Aufstieg: Wie ein totgesagter Arzt in China unverzichtbar wurde

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Die Urbanek-Story · Teil 3

Der letzte Teil endete mit einem gebrochenen, kranken Dr. Urbanek. Das Ende seiner Kolonialkarriere war eingeläutet, der Abschied besiegelt. Doch statt nach Hause fuhr er in die andere Richtung, tiefer nach Asien, nach China, ins Reich der Mitte. Dort stieg er auf, bis er als Arzt unverzichtbar wurde. Heute beantworten wir, was offenblieb: Wie war das möglich?

Es begann 1906 in Shanghai. Kaum genesen, wurde Urbanek dort zum Militärarzt des Shanghai Volunteer Corps ernannt, der Freiwilligen-Miliz der internationalen Niederlassung, des von Ausländern verwalteten Stadtteils. Der totgesagte Kolonialarzt hatte wieder einen Fuss in der Tür.

Den entscheidenden Schritt brachte ein Todesfall. Im Juni 1907 verlor Chinkiang, eine britische Vertragshafenstadt am Jangtse, seinen Zollarzt Dr. Lynch. Damit war ein Posten frei, in einer Stadt, die dringend einen Arzt brauchte, und Urbanek nahm das Schiff den Fluss hinauf.

Und jetzt das Erstaunliche: Die Briten machten den frisch angekommenen Österreicher zu ihrem Mann. Der Konsul stellte ihn an, der Gesandte in Peking genehmigte es, und 1908 bestätigte das Foreign Office in London den Vertrag persönlich: 400 mexikanische Dollar im Jahr, die Handelswährung der Vertragshäfen, für drei feste Pflichten vom Konsulatsarzt bis zum Gerichtsmediziner. Aus dem einen Posten wurden vier. Ein Fremder wurde zum medizinischen Dreh- und Angelpunkt eines britischen Hafens.

Wie das ging? Er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, in Wien ausgebildet und bereit, gleich mehrere Ämter zu schultern. Für einen zweiten Arzt war in der Stadt kein Platz.

Doch Urbanek sammelte nicht nur Titel. Schon 1908 drängte er auf ein Spital für Europäer und Chinesen. Ein Jahr darauf öffnete es, der erste Schritt zum späteren General Hospital. Im selben Jahr brach das Fleckfieber aus. „Der ersten grossen Fleckfieber-Epidemie begegnete ich 1909 in Chinkiang“, schrieb er elf Jahre später in einem Prager Fachblatt. Der Mann, den das Klima eben noch gebrochen hatte, stand nun mitten im Kampf dagegen.

Mitten in diesem Aufstieg betrat eine Frau die Bühne, eine Krankenschwester aus Shanghai. Ihr Name war Lela Shaw. Was dann geschah, beschäftigte gleich zwei Konsulate und mehrere Diplomaten.

Davon im nächsten Teil.


Beweismaterial aus den Quellen

1. Der Anstellungsvertrag mit Urbaneks eigener Unterschrift. The National Archives, Kew, FO 369/131. Der Vertrag als „Medical Officer of the British Consulate Chinkiang“, unterzeichnet 21.12.1907. Belegt wörtlich den vollen Titel „Miroslav Urbanek, Doctor of Medicine and Master in Surgery of the University of Vienna“, den Lohn von 400 Mexican $ per year und die drei festen Pflichten: ärztliche Betreuung von Konsul, Stab und Familien; Häftlinge im Konsulargefängnis und bedrängte britische Untertanen; Coroner’s Inquests.

2. „No room for a second practitioner“. Jordan-Despatch 31.12.1907. Wörtlich: „Dr. Urbanek has been accepted by the Customs Staff, the Municipality and the general community of Chinkiang, and there is no room for a second practitioner.“ Belegt, dass er rekrutiert und von den drei lokalen Gemeinschaften aufgenommen wurde, nicht, dass er sich bewarb.

3. Die Forderung nach einem Spital, 1908. North China Herald, 14.02.1908 (Chinkiang-Sanitätsbericht). Wörtlich: „… he urges the immediate necessity of founding a hospital for both foreigners and Chinese.“ Belegt die Initiative zum Spital.

4. Die Eröffnung des Spitals, 1909. North China Herald, 01.05.1909: „… the opening of the small Hospital, which it is hoped will be the beginning of what will finally be the Chinkiang General Hospital.“ Die Eröffnungs-Zeremonie nahm Mr. A. W. U. Pope vor; der Anstoss kam von Urbanek.

5. Urbaneks eigene Worte über die Fleckfieber-Epidemie. Miroslav Urbánek: „Epidemické nemoci v Číně“, Časopis lékařů českých, Jahrgang 1920, S. 479. Original-Wortlaut: „S prvou velikou epidemií skvrnitého tyfu střetl jsem se v roce 1909 v Chinkiangu.“ Das ist die einzige Stelle der ganzen Serie, an der Urbanek selbst spricht.


Simon Hächler

Philatelie-Experte und Inhaber der VENTIS Auktionen GmbH. Recherchiert die Geschichten hinter den Marken, aus Originalquellen.

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